Am Freitag, den 8. Mai, besuchten die evangelischen Religionsgruppen der 9. Klassen sowie die Klasse 10bd in Begleitung von Herrn Stieglhofer und Frau Beer eine Gedenkveranstaltung in Traunstein. Im Zentrum stand ein eindringlicher Vortrag von Friedbert Mühldorfer, dem Vorsitzenden des Kreisverbands der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes), der den Schülerinnen und Schülern das Schicksal der jüdischen Familie Holzer näherbrachte.

Mühldorfer schilderte eindrucksvoll, wie die Brüder Willi und Ludwig Holzer in den 1920er Jahren eine der größten Viehhandlungen des Chiemgaus in Traunstein aufbauten und vollständig im gesellschaftlichen und Vereinsleben der Stadt integriert waren. Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus ab 1933 setzte jedoch eine systematische Ausgrenzung ein, die am 11. November 1938 in einem gewaltsamen Angriff von NS-Formationen auf das Wohnhaus der Familie gipfelte. Die Familie musste daraufhin nach München fliehen, ohne dass die Polizei einschritt oder es zu nennenswertem Protest aus der Bevölkerung kam. Am 21. November 1941 wurde die Familie schließlich deportiert und in einem Vernichtungslager ermordet; einzig Tochter Clara, die sich zu dieser Zeit in Paris aufhielt, überlebte.

Heute erinnern mehrere Denkmäler in Traunstein, insbesondere vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie, an dieses Schicksal und mahnen gegen das Vergessen. Für die Schülerinnen und Schüler war der Vortrag eine bewegende Erfahrung, die die abstrakte Geschichte des Nationalsozialismus greifbar machte und aufzeigte, wie wichtig es ist, auch heute Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.