„Ich hab’ WhatsApp verwischt“
Apps installieren, Fotos löschen, Updates durchführen: Senioren sind oft überfordert von Smartphone und Co. Im Mehrgenerationenhaus Traunreut helfen ihnen die Medientutoren der Walter-Mohr-Realschule weiter.

Traunreut. „Ich hab’ WhatsApp verwischt“, sagt Seniorin Andrea (68). Jetzt findet sie die App nicht mehr auf dem Startbildschirm ihres Smartphones, sondern nur noch in einem Ordner. Medientutorin Sara Wossog (14) tippt und wischt ein bisschen auf dem Smartphone der Seniorin herum und löst das Problem so im Handumdrehen. Dann fällt der 68-Jährigen ein, dass sie vor Kurzem auch versehentlich die Taschenrechner-App gelöscht hat. Fix sucht Sara eine gut bewertete App heraus und installiert sie.
Sara ist eine von aktuell 15 Medientutoren an der Walter-Mohr-Realschule. Die Siebt- bis Zehntklässler lösen nicht nur Technikprobleme von Mitschülern und Lehrern, sondern unterstützen auch jeden zweiten Dienstag im Monat Senioren, die bei der Nutzung von Smartphone, Tablet oder Computer an ihre Grenzen stoßen. „Es sind meistens Probleme, die für uns sehr leicht zu lösen sind. Aber für die alten Leute ist das komplettes Neuland“, erzählt die 14-Jährige.
Die kostenlose Mediensprechstunde im Mehrgenerationenhaus Traunreut gibt es seit über fünf Jahren. Zuvor kamen immer wieder ältere Menschen in die Begegnungsstätte, die Hilfe bei der Nutzung von Smartphone und Co. brauchten. „Ich habe mich dann auf die Suche gemacht, ob es hier in Traunreut irgendjemanden gibt, der helfen könnte, und habe so die Medientutoren ausfindig gemacht“, erinnert sich Koordinatorin Veronika Ebner.
„Unsere Schüler machen das gerne“, sagt Lehrerin Anja Schindler, die als Projektleiterin für die Ausbildung der Medientutoren zuständig ist. Diese kommen überwiegend aus dem mathematisch-technischen Zweig. „Viele ergreifen nach dem Schulabschluss auch einen technischen Beruf“, beobachtet die Lehrerin.
So will es auch Medientutor Sverre Boye (16) machen: Er möchte eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolvieren. Wenn sie in der Schule mit ihrem Technik-Latein am Ende sind, dann gehen sie zu ihm. „Sverre fuchst sich dann rein“, weiß auch Lehrerin Anja Schindler. Bei der Mediensprechstunde im März half Sverre unter anderem Seniorin Ani (67). Sie liebt es, auf ihrem Smartphone Sudoku zu spielen, doch in letzter Zeit ärgert sie sich über die Werbung, die dauernd auf ihrer App läuft. Sverre fragt ChatGPT nach einer Sudoku-App ohne Werbung und installiert diese in Windeseile auf dem Smartphone der Rentnerin.
Die ist froh. „Meine Tochter lebt in München. Sie hilft mir oft übers Telefon weiter oder wenn sie zu Besuch ist. Aber diesmal hat sie gesagt: ,Mama, ich spiele kein Sudoku, ich kenne mich da nicht aus.’’ Medientutorin Eleni Siminidou (15) kennt das auch von ihren eigenen Großeltern. „Ich muss ihnen öfters mal mit Updates oder so helfen. Aber ich zeige ihnen sehr gerne, wie man das macht.“
Auch Medientutor Lucas Wildmann (16) freut sich, wenn er den älteren Leuten helfen kann. „Es macht mir Spaß, die Probleme zu lösen“, sagt er. Der Jugendliche erinnert sich an eine Seniorin, die in ihren E-Mails alte Bankkonto-Daten finden wollte. Die E-Mail, die sich letztlich nicht mehr aufspüren ließ, sollte aus dem Jahr 2009 sein. „Genauso alt wie ich“, lacht Lucas. Diesmal kann er weiterhelfen: Er zeigt Seniorin Monika (70), wie sie Fotos von ihrem Smartphone löschen kann. „Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Menschen zur Mediensprechstunde kommen würden“, beteuert der 16-Jährige.
Das ist das Stichwort für Seniorin Andrea. „Ich komme das nächste Mal wieder, dann müsst ihr mir zeigen, wie ich bei WhatsApp etwas in den Status stellen kann“, sagt sie zur Verabschiedung.
Die nächste Mediensprechstunde mit den Medientutoren von der Walter-Mohr-Realschule wird am Dienstag, 14. April, von 14 bis 15 Uhr im Mehrgenerationenhaus Traunreut stattfinden.
Ein ähnliches Angebot wie in Traunreut gibt es zum Beispiel auch in Traunstein. Da springen Jugendliche ebenfalls als Handy-Helfer für Senioren ein; zueinander finden sie über die Jugendapp der Stadt bzw. den Informationsschalter im Rathaus.