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„MINT- Jungen sind besser. Mädchen auch!" im Zuge des Girls Day 2013

- Ist eine geschlechterspezifische Ansprache und Förderung von Mädchen und Jungen in den MINT-Fächern notwendig?
- Welche Folgen hat dies für die organisatorische, didaktische und methodische Gestaltung des Unterrichts?
- Wie lassen sich Interesse und Begabung in den MINT-Fächern in der Schule konkret fördern?
- Welche konkreten Maßnahmen zur geschlechtsspezifischen Förderung im MINT Bereich werden an Ihrer Schule ergriffen?
- Inwiefern kann Schule den Schülerinnen und Schülern ein realistisches Bild der MINT-Berufswelt vermitteln?
- Wie können Schulen, Hochschulen und Unternehmen zusammenarbeiten, um Interesse an MINT-Fächern und -Berufen zu wecken und zu fördern (Stichwort: Netzwerke schaffen und verbessern)?

Besondere Kooperation Schule und Wirtschaft: Die Walter-Mohr-Realschule Traunreut und  B/S/H GmbH

Begeisterung für MINT durch die Zusammenarbeit mit größeren und mittleren Betrieben im Umfeld der Schule (Flyer)

1. Wer war Walter Mohr?

Walter Mohr war der Firmengründer der heutigen B/S/H GmbH in Traunreut. Er galt als Pionier, der wesentliche infrastrukturelle Maßnahmen einleitete, die auch für die Gründung der Stadt Traunreut maßgeblich waren. So wurden Straßen angelegt und Gebäude errichtet sowie eine Bahnlinie auf dem Gebiet einer ehemaligen Munitionsfabrik geschaffen, um den Bedürfnissen der neuen Industrien entgegen zu kommen. Im Zuge dessen wurden auch Wohnhäuser für die Arbeiter und deren Familien, Schulen, Kirchen und Gemeindegebäude errichtet. Walter Mohr war stets um das Wohl seiner Arbeiter besorgt, so hat er sich maßgeblich auch im Vereinsleben engagiert, um ihnen eine neue Heimat zu geben. Walter Mohr ist im Jahre 2003 im Alter von 93 Jahren verstorben.

 

2. Gründung der Schule und Namensgebung

Im Schuljahr 2003/2004 wurde die Staatliche Realschule Traunreut gegründet. Hier war es besonders wichtig, die Schule schnell in die Schullandschaft, aber auch in das Wirtschaftsgefüge der industriell geprägten Stadt mit starkem Migrationshintergrund zu integrieren. Mit der Namensverleihung haben wir uns zum Ziel gesetzt, Walter Mohr als Vorbild zu nehmen für Aufbau und Pioniergeist. Die Firma B/S/H GmbH hat sofort einer besonderen Kooperation zugestimmt und seither viele Impulse der Schule angenommen, um die Zusammenarbeit auf vielen Feldern kreativ anzugehen.

 

3. Zusammenarbeit auch mit den anderen Betrieben

In vielen Ziel führenden Gesprächen wurden Kooperationsmodelle erarbeitet, die prozessualen Charakter haben. Diese Kooperationsmodelle haben wir kontinuierlich auch mit anderen Firmen und Betrieben anwenden können, so dass unsere Schülerinnen und Schülern von Anfang an und vor allem bereits in den unteren Jahrgangsstufen sehr praxisnah an die Technikwelt herangeführt werden.

Grundlage dessen ist die Einbindung vieler Lehrkräfte, die in diversen Betriebsbesichtigungen die Firmen kennen gelernt haben. So ist es gelungen, Schule und Wirtschaft zu vernetzen und im Rahmen von Schülerpraktika und Erkundungen Kontakte herzustellen, die den besonderen Kooperationsmodellen entsprechen.

Im Rahmen der externen Schulevaluation konnten wir als Externen Berater den Leiter der Personalabteilung von B/S/H GmbH gewinnen, der wesentliche Impulse für die Professionalisierung von Arbeitsabläufen an der Schule geben konnte.

Seit drei Jahren wird auch der Walter-Mohr-Preis ausgelobt, bei dem Schülerinnen und Schüler mit besonderem Engagement sowohl in unterrichtlicher als auch außerunterrichtlicher Hinsicht im Rahmen einer Schulversammlung ausgezeichnet und belohnt werden.

 

4. Treffen der Personalchefs aus der Umgebung mit den Schulleitern der Region und dem zuständigen Ministerialbeauftragten für die Realschulen

Ausgehend von den Kooperationsmodellen wurde bei mehreren Treffen der Leiter der Personalabteilungen der umliegenden großen und mittleren Betriebe mit den Schulleitern und dem zuständigen Ministerialbeauftragten für die Realschulen die Wichtigkeit der Technikbegeisterung bei den Schülerinnen und Schülern deutlich. Dies mündete in der Auslobung eines Wettbewerbs des Interessenverbandes der Wirtschaft (IDW) ab der 6. Klasse. Dieser Wettbewerb läuft im März 2009 an. Unsere Schülerinnen und Schüler werden sich getrennt mit dem Thema  „Müll“  kreativ und mit technischem Hintergedanken beschäftigen (Mülltrennung, -vermeidung, -beseitigung). Die Fachschaften Physik, Chemie, Biologie und Werken werden in das Projekt eingebunden. Teils wird das Projekt in den Regelunterricht integriert, teils in Blockstunden ausgelagert.

Schulinterne Schnupperkurse in Elektrotechnik unter Beteiligung von Vertretern der Industriebetriebe finden für Mädchen und Jungen getrennt und parallel statt. Dies soll vor allem das Interesse an MINT steigern und eine verstärkte Wahl des mathematisch-technischen Zweigs garantieren. Reine Mädchenklassen werden an unserer Schule nicht angeboten.

 

5. Roboterbau (8. Klasse): B/S/H (Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH Traunreut)  und Dr. Johannes Heidenhain GmbH

Ein besonders ehrgeiziges Projekt (Flyer) kam durch die Initiative einer Lehrkraft, Frau Mayer, zustande, die mit Schülerinnen und Schülern eine Betriebsbesichtigung mit praktischen Übungen bei DLR in Oberpfaffenhofen unternahm. Hier wurde die Idee begründet, in sehr enger Kooperation mit den beiden größten Betrieben Traunreuts (Heidenhain und B/S/H) ein Schulprojekt „Kids and Robots“ zu starten, das beim Technikkongress in München am Ende des Schuljahres 2007/2008 präsentiert wurde.

Hier bauten Schülerinnen und Schüler in den Ausbildungswerkstätten der beiden Firmen einen programmierbaren Roboter (ASURO Robotkit), der von der DLR für diese Zwecke entwickelt wurde.

Schülerinnen und Schülern sollte ermöglicht werden, selbstständig im Bereich eines technischen Berufes (hier des Elektronikers) zu arbeiten und dabei auch die „Luft“ eines Unternehmens zu schnuppern. Die Begeisterung war bei allen Seiten überaus groß (Feedback). Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten sehr konzentriert und sorgfältig auf ihr Ziel hin. Auftretende Schwierigkeiten wurden im Team gelöst. Manche der Beteiligten zeigten bisher unbemerkte Eigenschaften und Fähigkeiten. Besonders eine Schülerin konnte zeigen, dass ihre schulischen Leistungen mit ihren tatsächlichen Fähigkeiten nicht unbedingt korrelierten. Sie mauserte sich zur besten Teilnehmerin.

Zunächst wurden die Schülerinnen und Schüler in die Sicherheitsbestimmungen beim Löten eingeführt. Sie trainierten den Vorgang und lernten die Widerstände und elektronischen Bauteile zu unterscheiden. Im Anschluss konnten sie ihr neu erworbenes Wissen beim Zusammenbau von ca. 140 Einzelteilen auf zwei Platinen zum Robokit anwenden. Ein Test des Roboters sowie die Programmierung mit C++ Programmen folgten. Insgesamt wurden vier Nachmittage und ein Vormittag (knapp 14 Stunden Arbeitszeit) für das Projekt veranschlagt. Die beiden Firmen unterstützten das Projekt dankenswerter Weise bereits in der Vorphase finanziell, aber vor allem mit dem nötigen Know-How durch die Ausbilder und der tatkräftigen Unterstützung der Auszubildenden.

Der ASURO Robotkit ist ein frei in C++ programmierbarer Roboter, der vom Institut für Robotik und Mechatronik am DLR in Oberpfaffenhofen entwickelt wurde. Sechs Tastsensoren und zwei Lichtschranken für die Odometrie sind im Bereich der Sensorik erforderlich. Im Bereich der Motorik werden zwei in jeder Richtung und Geschwindigkeit ansteuerbare Motoren sowie vier Leuchtdioden zur Statusanzeige eingesetzt. Mittels einer Infrarotschnittstelle werden die Programme vom PC auf den Roboter übertragen. Die mitgelieferten Programmierwerkzeuge erlauben auch einem Laien einfache Veränderungen in der Programmierung. Der Roboter kann zum Beispiel einer schwarzen Linie folgen oder bei Hindernissen wenden.

Nach der Fertigstellung präsentierten die Schülerinnen und Schüler mit dem Ausbilder der B/S/H GmbH, Herrn Jablowsky, ihr Projekt beim Technikkongress 2008 in München, der vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus veranstaltet wurde.

Das Projekt wird 2009 wiederholt.

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